Nordbrücke Bonn: GRÜNE warnen vor Jahrzehnte-Provisorium – Ausschreibung der Autobahn GmbH gefährdet schnelle nachhaltige Lösung

Die Sperrung der Bonner Nordbrücke Anfang Juni 2026 hat die gesamte Region Bonn/Rhein‑Sieg schwer getroffen. Für Pendler*innen und Unternehmen ist die Rheinquerung eine zentrale Lebensader. Die GRÜNEN in der Region Bonn/Rhein‑Sieg betonen daher, dass die Wiederherstellung der Verkehrsfunktion der Nordbrücke schnellstmöglich erfolgen muss. Die Verantwortung dafür liegt eindeutig bei der Autobahn GmbH und dem Bundesverkehrsministerium. Dabei ist es grundsätzlich gut, dass die Autobahn GmbH sich aufgrund des Drucks entschlossen hat, schneller für einen Ersatzneubau zu sorgen. 

Nach der Vollsperrung bestand die Hoffnung, dass die Autobahn GmbH ihre Pläne zu einer massiven Verbreiterung der Autobahn überdenkt. Die nun am 24. Juli 2026 veröffentlichte Ausschreibung zeigt jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Statt einer schnellen und funktionalen Lösung setzt die Autobahn GmbH weiterhin auf ein überdimensioniertes Ausbauprojekt – und nimmt dafür ein jahrelanges Provisorium in Kauf. 

Die Ausschreibung sieht vor, die Vorlandbrücke zunächst schmaler zu errichten als sie heute ist. Sie soll lediglich die erste Hälfte eines späteren Gesamtausbaus bilden. Bis zum endgültigen Ausbau wäre eine Baustellen-Verkehrsführung mit schmalen Fahrstreifen vorgesehen, die voraussichtlich bis etwa 2040 bestehen bliebe. Für die Region hätte dies gravierende Folgen: eine dauerhafte Engstelle mit erhöhtem Unfall- und Staurisiko, die jahrelange Nichtnutzbarkeit der Auffahrt Auerberg zunächst in, später aus Richtung Beuel, doppelte Baustellenbelastungen an Graurheindorfer Straße und Römerstraße sowie erhebliche Risiken durch die bestehende Strombrücke, die die schlechteste Traglast-Note aufweist. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten, da die Ausschreibung faktisch einen späteren Ausbau mit Abriss von Wohnhäusern vorwegnimmt und mögliche Klagen den gesamten Bauablauf weiter verzögern könnten. 

Martin Metz, GRÜNER Landtagsabgeordneter aus dem Rhein-Sieg-Kreis:

„Die Menschen in Bonn und im Rhein‑Sieg‑Kreis brauchen eine funktionierende Nordbrücke – und zwar nicht erst 2040. Die jetzt ausgeschriebene Lösung der Autobahn GmbH ist ein Jahrzehnte-Provisorium, das die Region massiv belasten würde.“ 

Die GRÜNEN Abgeordneten in der Region Bonn/Rhein‑Sieg sprechen sich daher klar für eine alternative Lösung aus. Die Vorlandbrücke sollte vollständig im bestehenden Baufeld neu errichtet werden – ohne Standstreifen, mit stadtautobahn-typischer, schlankerer Breite. Auch so könnten die vom Bund geplanten drei durchgehenden Fahrstreifen je Richtung geschaffen werden. Dies wäre ohne neues Planfeststellungsverfahren möglich und könnte bereits einen fertigen Anschluss an den späteren Neubau der südlichen Strombrücke vorsehen. Damit ließen sich die Auffahrt Auerberg Richtung Beuel bereits Ende 2028 wieder öffnen, ein stauträchtiger Engpass über mehr als ein Jahrzehnt vermeiden, die Gesamtbauzeit um ein bis zwei Jahre verkürzen und planungsrechtliche Risiken deutlich reduzieren, da keine Wohnbauflächen beansprucht würden. 

Dr. Julia Höller, GRÜNE Landtagsabgeordnete aus Bonn:

„Die Menschen vor Ort zahlen seit Jahren den Preis für politische Fehlentscheidungen. Jetzt braucht es schnelle und nachhaltige Lösungen, keine Ideologie.“ 

Seit rund zwanzig Jahren ist bekannt, dass die Nordbrücke ersetzt werden muss. Dass dies bis heute nicht geschehen ist, ist aus Sicht der GRÜNEN das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen: Die damalige schwarz‑rote Koalition im Bundestag verknüpfte 2015 den Ersatzneubau mit einem überdimensionierten sechsspurigen Ausbau und verschob das Projekt weit nach hinten. Auch die Autobahn GmbH plante in den vergangenen Jahren nur zögerlich und ging bis vor Kurzem noch von einem Baubeginn Mitte der 2030er Jahre aus. Ein wesentlicher Grund für die Verzögerungen war das Ziel eines sehr breiten Neubaus, der den Abriss zahlreicher Wohnhäuser vorausgesetzt hätte. Dieser Fehler droht sich nun zu wiederholen. 

Die GRÜNEN fordern das Bundesverkehrsministerium auf, keine ideologisch motivierte Ausbaupolitik auf Kosten der Region Bonn/Rhein‑Sieg zu betreiben. Stattdessen müssen die ausgeschriebenen Leistungen darauf ausgerichtet werden, schnellstmöglich einen leistungsfähigen, schlanken Ersatzneubau der Vorlandbrücke aus einem Guss zu realisieren. Ein Dauer-Provisorium über mehr als ein Jahrzehnt wäre für die Region nicht tragbar. 

Katrin Uhlig, GRÜNE Bundestagsabgeordnete aus Bonn:

„Wir erwarten vom Bundesverkehrsministerium, dass es endlich Verantwortung übernimmt. Ein schlanker, vollständiger Neubau der Vorlandbrücke jetzt ist machbar, schnell und rechtssicherer.“ 

Das nun ausgeschriebene Provisorium